Dr. Angelika Machinek: Literaturwissenschaftlerin, Lektorin an der UNI Göttingen, Autorin „Dann wird Gehorsam zum Verbrechen – Die Göttinger Sieben“, Mitglied des Prüfungsrates beim Reg.-Präs. Kassel und Darmstadt.

Erfolgreiche Segelfliegerin, nach einem Unfall mit einem UL verstorben am 12. Oktober 2006.

Zeitung Machinek

Zur Erinnerung an den Transatlantikflug der Flugpionierin Amelia Earhart von den USA nach Burry Port-Hafen, Landung am 17.6. 1928, hatten Angelika Machinek und Marion Hof, Autorin des Buches „Amelia Earhart, das ungewöhnliche Leben einer Flugpionierin“, die Idee, den historischen Flug als Hommage an Amelia Earhart vom Flugplatz Mosenberg-Nordhessen nach Burry Port, durchzuführen.

Die Nachforschungen führten M. Hof u.a. nach Burry Port in England. Sie war überrascht, mit welcher Achtung die Menschen dort das Andenken an den historischen Flug noch heute pflegen.

Für den geplanten Flug sollte das UL Kiebitz eingesetzt werden. Für die Landung in Burry Port-Hafen musste der Kiebitz allerdings mit Schwimmern ausgerüstet werden, die auch Starts und Landungen auf dem Wasser ermöglichten.

Hier half der Konstrukteur des Kiebitz, Michael Platzer. Es musste alles sehr zügig vonstattengehen, denn die Ankunft in Burry Port war mit Datum und Uhrzeit (17.6.1990/12:40 Uhr) festgelegt.

In Burry Port wurde ein Komitee gegründet, das sich die Vorbereitung und Organisation des Tages unserer Ankunft zur Aufgabe machte.

Michael Platzer konstruierte und baute leichte Schwimmer in Styropor und GFK. Im März 1990 war der Kiebitz mit der Kennung D – MIAU fertig und die Erprobung konnte beginnen. Die Luftfahrtbehörde des Regierungspräsidiums Kassel erteilte für die Erprobung eine Außenstart- und Landeerlaubnis auf dem Singliser See südlich von Kassel.

Es folgten Rollversuche und Schwimmversuche: Wird er fliegen mit den Schwimmern mit je 22 kg Gewicht und 4,80 m Länge und dann noch zwei Personen mit je 65 kg und Kraftstoff? Welche Startstrecke wird er brauchen – Fragen über Fragen. Aber dann hob der Doppeldecker ab und bestätigte die Wahl des Flugzeuges.

Am 12. Juni 1990 war es soweit: Die Planung für den 1200 km langen Flug war abgeschlossen, der Start erfolgte nachmittags und führte zuerst nach Arnsberg. Am nächsten Tag nach Aachen-Merzbrück und von dort nach Kortrijk in Belgien. Am 14. 6. wurde nach der Überquerung des Ärmelkanals Lydd in England erreicht

Weiterflug am 17.6., noch 80 km von Cardiff nach Burry Port. Dann hörten wir auf der verabredeten Frequenz eine sonore Stimme: „Delta Mike India Alpha Uniform,
everything is ready for your landing.“

Eine Menschenmenge erwartete uns auf der Kaimauer. Herzklopfen, eine Rauchpatrone zeigte die Windrichtung, eine große Boje mit drei Flaggen von Wales, den USA und der Bundesrepublik heißen uns willkommen.
Anflug zu ersten Landung im offenem Meer, 40 cm hohe Wellen, einschweben über dem Hafen und die aus den Augenwinkeln wahrgenommenen Menschen. Wir wünschten uns noch einmal Glück, Konzentration auf das Abschätzen der Höhe über dem Wasserspiegel.
Der Kiebitz setzt auf, die Schwimmer tauchen ein und furchen durchs Wasser. Geschafft, geschafft. Nun ist alles gut. Von allen Seiten rudern, segeln und fahren Boote auf uns zu. Schneidig kommt unser Lotsenboot und nimmt uns ins Schlepptau. Alles streng nach der historischen Vorlage, denn auch die „Friendship“ von Amelia Earhart wurde so geborgen.
Es eskortierte uns eine bunte Schar von Schiffen, Als wir die Hafeneinfahrt passierten, setzt der Beifall der Menschenmenge ein. Wir waren gerührt und überrascht, mit so einem Empfang hatten wir nicht gerechnet. Wir wurden von den Honoratioren des Yachtclubs per Ruderboot abgeholt und kletterten über die gleiche Eisenstiege, die auch A. Earhart 1928 benutzt hatte, an Land.

Der walisische Parlamentsabgeordnete, der Landrat und der Bürgermeister empfingen uns.
Die spontane Herzlichkeit der Menschen war überwältigend. Sie wog die hinter uns liegende Mühe auf.
Ein ausgefeiltes Programm beanspruchte unsere Mitwirkung. Der Mayor sprach zu unserer Begrüßung und erinnerte an den Flug von A. Earhart vor genau 62 Jahren. Nun wartete ein Denkmal darauf von uns enthüllt zu werden. Unter dem Tuch kam ein markanter Stein zum Vorschein, in dem die historischen Daten eingemeißelt waren.

In einem nahe gelegenen Fabrikgebäude war ein Empfang mit Buffet vorbereitet. Es gab Geschenke, zwischendrin Interviews, Glückwünsche, viele Fragen der Gäste. Marion Hof und ich, waren einfach nur glücklich, glücklich hier zu sein und die Herausforderung gemeistert zu haben. Aus einer leichtfertigen Idee war ein Erfolg geworden.

Anmerkung

Angelika Machinek hat die Aufzeichnung auf 14 Seiten verfasst und diese mit den Zeitungsartikeln am 18 .September 1990 Hannes Westphal als Dank für die Unterstützung übergeben. Die Mappe mit den Zeitungsartikeln kann bei Hannes Westphal eingesehen werden.

Hannes Westphal im Januar 2017

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