Schon immer habe ich davon geträumt, fliegen zu lernen. Lange Zeit konnte ich den Fliegern nur sehnsüchtig vom Boden aus bei ihren eleganten Flugmanövern zuschauen, doch in diesem Sommer wurde mein Traum plötzlich Wirklichkeit.beim Start

Angefangen hatte alles vor fast 3 Jahren mit einer Informationsveranstaltung zum Wahlpflichtunterricht an meiner Schule in Berlin-Steglitz. Ein segelflugbegeisterter Lehrer stellte hier seinen Kurs Luftfahrt vor, der nach 2 Jahren mit einem Segelflugkurs in der Segelflugschule Lübeck enden sollte. Sofort war für mich klar, das ist mein Kurs und Lübeck ist meine Chance, obwohl ich bis dahin weder etwas über das Segelfliegen noch über Segelflugzeuge wusste.

Nach Wochen der Ungewissheit, schließlich hatten sich viele Schüler für diesen Kurs angemeldet, kam dann endlich der erste Schultag nach den Sommerferien. Aufgeregt saß ich im Klassenzimmer und wartete auf meinen neuen Stundenplan. Schließlich lag er vor mir und die Freude war riesig. Ich hatte es geschafft! Von nun an saß ich 2x in der Woche im Kurs Luftfahrt und eignete mir das notwendige Segelfluggrundwissen an. Doch schon bald begann ich auch in meiner Freizeit die Nase in Flugbücher zu stecken und mich immer intensiver mit dem Segelflug zu beschäftigen. Je mehr ich las und wusste, desto faszinierender fand ich diesen Sport und bald hatte ich nur noch einen Wunsch: fliegen – allein mit einem Segelflugzeug vom Erdboden abheben und mit Störchen oder Kranichen am Himmel kreisen. Doch ich musste noch viel Geduld haben, mich weiterhin mit Flugtheorie, Wetter, Luftrecht etc. beschäftigen, Vorträge halten und Klassenarbeiten schreiben bevor es im Juli dieses Jahres für mich, 6 weitere Schüler unseres Kurses und natürlich unseren Lehrer hieß: Auf nach Lübeck!

Noch nie war ich so aufgeregt wie jetzt. Ich versuchte mich beim Sachenpacken zu konzentrieren, denn schon ein vergessenes Medical oder ein fehlender Ausweis würden mich in Lübeck grounden. Doch so sehr ich mich auch bemühte, immer wieder wanderten meine Blicke an den Himmel, immer wieder versuchte ich mir meinen ersten Segelflug vorzustellen, immer wieder träumte ich von meinem ersten Alleinflug.

Geschafft! Endlich hatte ich alle Sachen gepackt, die kleinen Glücksbringer, die mir meine Mami und meine Schwester geschenkt hatten, in der Hosentasche verstaut und meinen Platz im Linienbus eingenommen. Jetzt geht´s los!

In Lübeck zogen wir dann fast auf den Flugplatz. Nur ein Zaun trennte die zur Segelflugschule gehörenden kleinen Hütten, in denen wir nun für 2 Wochen wohnten, vom Flugplatz. Das war toll! Denn neben dem Abenteuer Fliegen gab es nun für uns noch ein Hüttenabenteuer mit Kerzenschein, Lagerfeuer und Kochen.

Dann kam endlich der Tag, dem ich schon über 2 Jahre entgegengefiebert hatte, mein erster Flugtag. Vorsichtig rollten wir unser Flugzeug aus dem Hangar auf das Flugfeld und warteten auf die erste Einweisung. Fasziniert schaute ich auf das weiße Segelflugzeug, das mit seiner Flügelspannweite von 16m auf dem grünen Gras lag und in der Sonne glänzte. Es gefiel mir und als ich dann noch die rote Schnauze der K7 entdeckte, wusste ich, das ist „mein“ Flugzeug.

ich fliege (2)

Kurze Zeit später war es dann so weit. Zum ersten Mal in meinem Leben kletterte ich mit einem Fallschirm auf dem Rücken in ein Segelflugzeug. Ich schnallte mich als Flugschülerin auf dem vorderen Sitz an, stellte meine Füße in die Pedalen und nahm den Knüppel in die Hand. Meine Hand zitterte vor Aufregung und ich war froh, als sich Ulli, ein sehr erfahrener Fluglehrer, auf dem hinteren Platz anschnallte. Nun ging alles ganz schnell. Startcheck, Startfreigabe, Seil anziehen, abheben. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn der Bodenkontakt plötzlich verschwindet, Häuser, Bäume und Autos klitzeklein werden und man frei wie ein Vogel gemeinsam mit Störchen oder Kranichen unter den Wolken kreist. Jetzt hatte ich ein neues Hobby gefunden – Segelfliegen.

Zunächst hatte Ulli noch die volle Kontrolle über das Flugzeug. Aber schon beim nächsten Flug sollte ich die Kurven selbst einleiten und nach ein paar Tagen stand ich allein in den Rudern und flog nur noch nach Anweisung. Doch ich hatte ein anderes Ziel, ich wollte allein fliegen. So folgten noch fast 50 gemeinsame Trainingsflüge mit Ulli und allmählich bekam ich so ein bisschen Flugroutine. In dieser Zeit lernte ich es schätzen, dass ich mit Ulli einen Fluglehrer habe, mit dem ich mich super gut verstehe, dem ich voll vertraue, der mich lobt, der mich aber auch kritisiert, der hohe Anforderungen an mich stellt, der mich aber auch tröstet, wenn es mal nicht so gut läuft und der total cool ist.

Die Zeit in Lübeck verging so schnell und dann kam der letzte Tag. Die Anspannung war riesig. Nur noch heute gab es die Chance für Alleinflüge, nur noch heute könnte mein Traum wahr werden. Konnte ich inzwischen so sicher fliegen, dass mir Ulli diese Chance geben würde? Doch alle schwiegen und so sehr ich auch in Ullis Gesicht nach einer Antwort suchte, ich fand keine.

Also stieg ich wie immer in die K7 und absolvierte mit Ulli 3 weitere Trainingsflüge.

Dann stieg Ulli aus, steckte seine Anschnallgurte zusammen und schloss die hintere Haube. Er hockte sich neben den Flieger und wir besprachen noch einmal die wichtigsten Dinge. Mit einem „du schaffst das“ und einem letzten Blick schloss Ulli dann die vordere Haube, klinkte das Seil ein und brachte das Flugzeug in Startposition.

Jetzt war ich zum ersten Mal allein im Flugzeug, zum ersten Mal werde ich gleich den Tower um Startfreigabe bitten und dann wird mein größter Traum in Erfüllung gehen. Ich werde allein fliegen!

Das ist ein unbeschreibliches Gefühl, so eine Mischung aus Freude, Stolz, Neugierde und auch ein bisschen Angst.

Doch schon kurz nach dem Abheben war dieses Gefühl verschwunden. Jetzt war ich frei und konnte mit gerade 14 Jahren das erste Mal in meinem Leben allein durch die Luft gleiten. Dieses Gefühl ist wie ein Zauber, so schön, so groß, so einmalig und einfach unvergesslich.

Nach glücklicher Landung und 2 weiteren Alleinflügen hatte ich es geschafft!

Ich hatte am 16.07.2016 als eines der jüngsten Mädchen Deutschlands und als erstes Mädchen des Berliner Paulsen-Gymnasiums in der Segelflugschule Lübeck meine theoretische und meine praktische A-Prüfung bestanden.

Danke an meine Familie, an meinen Fluglehrer Ulli an meinen Lehrer aus dem Luftfahrtkurs Herrn Kloppe-Langer und an alle anderen, die mich auf diesem Weg begleitet und unterstützt haben.

Fasziniert vom Fliegen habe ich jetzt neue Träume. Ich möchte weiter in der Segelflugschule Lübeck Fliegen lernen, meine Segelflugpilotenlizenz erwerben, einmal mit einem Kunststoff-Segelflugzeug allein fliegen und später mein Hobby zum Beruf machen. Ich möchte Verkehrspilotin werden um irgendwann selbst einen großen Airbus A380 fliegen zu können.

mein Flugzeug

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