Fortgeschrittener Streckenfluglehrgang LSVRP in Bitburg 28.7-7.8.2018

Welche Verbindung haben Mondmissionen und der Streckensegelflug?
An fünf von sechs Tagen konnte geflogen werden – Dank Hochdruckbrücken!

Bitburg/Bad Sobernheim Seit vielen Jahren wird vom Streckenflugförderverein Rheinland-Pfalz e.V., im Auftrag des Landesverbands, ein Streckensegelfluglehrgang angeboten. Der diesjährige Streckensegelflug-Lehrgang fand vom 28. Juli bis 04. August in Bitburg statt.

Zur Vorgeschichte: In den Jahren 2016 (tolles Wetter, tolle Flüge) und 2017 war die Veranstaltung am Flugplatz Aalen. Viel Gras, gute Infrastruktur. Trotzdem sollte ein neues Ziel her. Gesetzt war Bayreuth. Das sollte nicht klappen, Andere waren schneller. Heribert Pütz hatte schon immer mal Bitburg sehr leidenschaftlich in den Ring geworfen. In der Vergangenheit fanden schon einige Segelkunstflug-Lehrgänge statt. Ein Wink mit dem Zaunpfahl und die Idee, den Streckenflug-Lehrgang dort stattfinden zu lassen, war geboren. Bei einigen Teilnehmern, die ihren fliegerischen Urlaub in Bayreuth verbringen wollten, gab es deshalb lange Gesichter, als das neue Ziel bekannt war.

Der Flugplatz Bitburg bietet Motorfliegern ideale Bedingungen. Viel Asphalt, Beton und eine lange Startbahn. Positive Hinterlassenschaften der amerikanischen Luftwaffe, die den Flugplatz im Jahr 1994 verlassen hat. Unter der Woche ist es tagsüber recht ruhig, weil erst am Abend die Flugschüler von anderen Plätzen zum „Platzrunden schrubben“ kommen. Das heißt jedoch auch, dass keine Infrastruktur in Form eines Campingplatzes vorhanden ist. Dieser konnte jedoch auf einem Vorfeldbereich mit Strom-, Wasseranschluss und Improvisationstalent gut realisiert werden. Wer jedoch kein Liebhaber von Zelt oder Camper ist, hatte die Möglichkeit, im Hotel Eifelstern oder in einer Ferienwohnung unterzukommen. Einige konnten ihr eigenes Bett genießen, was dem Teamgeist keinen Abbruch tat.

Am Anreisetag fand nach dem gemeinsamen Abendessen ein erstes Briefing mit Kennenlernen im „Oval Office“ statt. Es ging um die Besonderheiten des Platzes (Sprungzone) sowie seine unmittelbare Umgebung (Luftraum Spangdahlem). In lockerer Runde wurden persönliche Ziele und Erwartungen an den Lehrgang formuliert.

Ab Sonntag waren die Rahmenbedingungen immer dieselben. Frühstück, Treffen der Trainer um den fliegerischen Leiter Peter Fabian (AC Nastätten), der sehr kurzfristig für den leicht verletzten Charly Müller eingesprungen ist. Volker von Garrel hat ihm seine LS3 zur Verfügung gestellt. Tagesbesprechung der Teilnehmer zum Thema Wetter, Aufgaben, Teameinteilung und Frequenzen.

Alfred Perlich (AC Nastätten) musste das Wetter im Gegensatz zu 2017 – Tief „Alfred“ mit ständigen Regengebieten - nicht schönreden. Sein Credo in diesem Jahr hieß: „Hochdruckbrücke, Leute, wir müssen fliegen“. Danach Fertigmachen und Aufbau der Flugzeuge zum Starten auf der Piste 04/22. Die Sonne brannte jeden Tag erbarmungslos auf die Beton- und Teerflächen. Die Köpfe glühten, der Verbrauch an Wasser war enorm. Hüte und Handtücher wurden im bereitgestellten Eimer „getränkt“.

Nach drei Flugtagen regnete es ab den frühen Morgenstunden bis mittags. Dieser Tag Pause wurde bis zum frühen Nachmittag für ein paar interessante Theorieeinheiten genutzt.

Für Donnerstag und Freitag wurden die Wetterbedingungen hervorragend gemeldet. Hochdruckwetter und Warmlufteinfluss - für diese Jahreszeit eher ein Garant für Inversionswetterlagen – versprachen klasse Bedingungen für ausgedehnte Strecken. Großflächige, hochreichende sehr gute Wolken- und Blauthermik bescherten uns tatsächlich Flüge in einem komfortablen Höhenband zwischen 1.500 und 3.000 m MSL.

Die Strecken orientierten sich meist nach Norden mit Wende Dahlemer Binz, dann auf östlichem Kurs über die Mönchsheide mit einem Hüpfer über den Rhein in Richtung Marburg. Die Langohren schafften am Freitag den Sprung bis zur Wasserkuppe. Zurück Richtung Süden ging es entweder westlich oder östlich am Luftraum Hahn, vorbei an Pfälzer Wald und Saarschleife.

Die Landungen auf einer Asphaltbahn von 3.000 Metern Länge und 45 Metern Breite bieten eine ungewöhnliche Anflugperspektive. Bei der festgelegten Platzrunde nördlich von Bitburg musste die Positionshöhe entsprechend maßstabsgerecht von 200 auf 500 m angehoben werden.
Jeder Teilnehmer konnte nach dieser Woche zufrieden auf die Erlebnisse und Ergebnisse blicken. Insgesamt wurden während dem Lehrgang rund 580 Stunden in der Luft verbracht. Stolze Bilanz: pro Tag durchschnittlich 410 geflogene Kilometer bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 75 km/h über rund 5:50 Flugstunden. Fünf Teilnehmer haben am Freitag ihren ersten 500-Kilometer-Flug in Standard- bzw. Clubklasse-Flugzeugen geflogen.

Am 02. Juni 2018 erreichte der Mond seinen erdfernsten Punkt auf seiner Laufbahn. Von Bitburg aus gesehen rund 405.317 Kilometer. Die Teilnehmer des Lehrgangs haben mit 40.531 geflogenen km also knapp zehn Prozent der Entfernung zum Mond zurückgelegt.
Der großzügige Platz, der uns zur Verfügung stand, der entspannte Aufbau des Grids sowie ein reibungslos verlaufender Schleppbetrieb führte bei allen Teilnehmern zu der Erkenntnis: Bitburg, wir kommen gerne wieder.

Ein dickes Dankeschön geht an Heribert Pütz (APUS e.V.), der die organisatorische Leitung der Veranstaltung zum dritten Mal übernommen hat. An die Trainer Peter Fabian, Markus Wendling, Frank Steege, Bernd van der Mühlen, Bernd Lehmann und Heribert Pütz. Den Schlepp-Piloten aus Wershofen, Utscheid und Traben-Trarbach. Den 23 Teilnehmern für eine harmonische Urlaubswoche und an das Team vom Flugplatz Bitburg, die uns im vorgegebenen Rahmen selbständig agieren ließen.

Zu guter Letzt ein Wort zur Verpflegung, die vom Flugplatz Bistro übernommen wurde. Es gab ein sehr reichhaltiges Frühstück. Das Abendessen bestand jeden Abend aus einer wechselnden Auswahl an marktfrischen Salaten und zwei Hauptgerichten. Die Süßschnäbel bekamen außerdem einen leckeren Nachtisch. Vegetarier mussten nicht nur mit Kartoffeln und Gemüse zufrieden sein.
Hubert Raaf vom Streckenflugförderverein Rheinland-Pfalz e.V., war einer der F-Schlepp-Piloten und hat die Abrechnung der ganzen Veranstaltung mit Schleppkosten etc. übernommen. Auch ihm gebührt Erwähnung und Dank.
Verena Schlegel-Ballarin

 

Zufriedene Gesichter: die Teilnehmer des Streckenflug-Lehrgangs 2018 in Bitburg

 

Eingewöhnungsflug am Sonntag, 29.07.2018 - erster Tag, 225 km

 

Das Team Frank Steege umrundete den Frankfurter Luftraum im Uhrzeigersinn. - mit 540 km erster 500ter eines Teilnehmers in seiner LS4

 

Karen Brandt, schnellste Frau im Grid: am 03.08.2018 730 km mit 106 km/h unterwegs

 

Ungewohnte Dimensionen – ermöglicht unverschachteltes Auf- und Abrüsten.

 

Geht auch so – Camping à la Bitburg.

 

Teambesprechung auf 2 qm Schatten.

Fotos: Felix Lentes, Frank Steege, Norbert Peter, Verena Schlegel-Ballarin