Sicher Fliegen und Springen

Der Fallschirmsprotclub Neustadt an der Weinstraße e.V. aus Lachen-Speyerdorf bewirbt sich um den Flugsicherheitspreis. Unser Verein hat 85 Mitglieder und betreibt eine Cessna TU 206 G mit 310 PS. Unser Bemühen ist es, das Fliegen und Springen so sicher wie möglich zu gestalten. Dazu haben wir uns viele Gedanken gemacht und konsequent umgesetzt. Als Fallschirmspringer bewegen wir uns ständig im Luftraum E wie auch in C. Beim Steigen legen wir größere Distanzen zurück und haben mit Langen Radar Kontakt; dort werden aber auch nicht alle Flugzeuge (z.B. Segelflugzeuge) gesehen. Aus diesem Grunde haben wir unsere Cessna 206 modifiziert – um zu sehen und gesehen zu werden.

Folgende Modifikationen haben wir vorgenommen
 
Für das „Gesehen werden“:
 
Lackierung der Randbögen und des Spinners in Leuchtorange, der untere Teil der Cowling wird im November 2018 noch ebenso lackiert. Sinken aus FL 100 + mit Landescheinwerfer: ausgeführt als LED Scheinwerfer,  die früheren Scheinwerfer mit Glühbirne waren ständig kaputt und wurden selten angemacht. PowerFLARM an Bord, um auch von anderen gesehen zu werden.
 
Um selber zu sehen, was um uns herum passiert:

PowerFLARM mit Anzeige und Richtung, Antennen unten und oben, auch eine GPS Antenne – dadurch keine abgeschatteten Bereiche. iPad mit Software Flymap, in der  Icao Karte verbunden mit dem PowerFLARM,  sodass für uns auch die Segelflieger und Motormaschinen mit Transponder sichtbar werden. Das iPad mit der Software Flymap warnt uns vor Hindernissen (fest oder beweglich) und vor Lufträumen, die eine Gefahr darstellen könnten. Dadurch können unsere Piloten schon rechtzeitig erkennen, wo evtl. eine Gefährdung entstehen könnte, und gehen diesen Situationen rechtzeitig aus dem Weg.


Bauliche Sicherheit:
 
Die Cessna wurde mit einem Robertson STOL Kit, einem Sportmankit, einer Flügelverlängerung und Vortex Generatoren nachgerüstet um die Eigenschaften der Maschine noch weiter zu verbessern.
 
Diese technischen und baulichen Modifikationen bringen uns mehr Sicherheit:
 
Beim Start auf unserer Graspiste mit MTOW heben wir bereits nach 250 m ab. Die Maschine liegt deutlich ruhiger in der Luft und hat somit weniger Belastungen während des Fluges. Die Stall-Geschwindigkeit liegt unter 30 kt; die Maschine geht bei weiterer Verringerung  der Geschwindigkeit in den Sackfllug über, stallt quasi gar nicht mehr. Das heißt für unsere Piloten: Auch bei einer Absetzgeschwindigkeit von 50 kt und mit Springern außen am Flugzeug besteht keine Gefahr des Abkippens durch einen Stall. Die Flügelverlängerungen machen die 206 träger, sodass das Absetzen der Springer kaum Korrekturen mit dem Querruder und Seitenruder notwendig macht. Weiterhin erhöhen sie die Gleiteigenschaften der Cessna auf 1:11.  Die Sicherheit  bei Außenlandungen/Notlandungen auf engem Gelände wurde durch die langsame Anfluggeschwindigkeit und die geringere Sinkrate deutlich erhöht. Bei  der Landung mit der „leeren“ Cessna sind alle Ruder bis zum Schluss voll ansprechbar und sorgen für eine nie dagewesene sanfte Landung – die Aufsetzgeschwindigkeit liegt unter 30 kt. 

Eine vorher zu spürende Kopflastigkeit bei der leeren Maschine gibt es nicht mehr, auch das gibt dem Piloten eine höhere Sicherheit. Über ein EDM 830 beobachtet der Pilot die Temperaturen des Motors, hier jeden einzelnen Zylinder und den Turbolader, sodass ein unbemerkter Motorschaden fast ausgeschlossen ist. Auch der thermische Belastung des Motors haben wir durch einen zusätzlichen Remote Kühler mit 2 l mehr Öl im Kreislauf entgegengewirkt, um die Sicherheit zu erhöhen. Statt mit der Öltemperatur immer am Limit zu fliegen, sind wir jetzt immer bei 180° F im grünen Bereich. Das Gleiche gilt für die Zylinderkopf-Temperaturen: waren sie vorher immer bis 460° F am Maximum, sind sie jetzt selbst im Sommer bei 35° C bei 400° F und kühler. Dadurch ist es viel einfacher für den Piloten, sich auf das Wesentliche – “das Fliegen” – zu konzentrieren und nicht auf das Halten der Temperaturen. Ein elektronischer CO-Messer warnt den Piloten akustisch und optisch noch bevor eine Gefahr besteht – anders als die Teststreifen, die sich zwar verfärben, aber den Piloten nicht durch ein Signal darauf aufmerksam machen. Diese zusätzliche Sicherheit schätzen unsere Piloten. Die Batterie haben wir gegen eine Gelbatterie ausgetauscht, sodass diese nicht häufig wegen der Graspiste ausfällt. Ebenso wurde der originale mechanische Regler des Generators ausgetauscht gegen einen elektronischen, dadurch hatten wir in den vergangenen fünf Jahren keinen Ausfall der Batterie oder des Generators. Zudem werden die Spannungsspitzen begrenzt, was allen elektrischen Komponenten zugute kommt. Seit dem Umbau hatten wir  auch keinen Ausfall elektrischer Geräte, dadurch erhielten unsere Piloten zusätzliche Sicherheit. Auch haben wir zwei Funkgeräte und ein Aufschaltgerät eingebaut, auf dem Platzfrequenz, Langen Radar und die Notfallfrequenz gerastet sind, um den Piloten entlasten. Für eine gute Sicht gerade bei tiefstehender Sonne haben wir in die Cessna noch zwei Rosen-Sonnenblenden eingebaut.  Dadurch kann bis zum Ende des Sprungtages blendungsfrei gegen die untergehende Sonne gelandet werden. Um auch dem Lärm noch entgegenzuwirken, wurde durch MT Propeller für uns extra ein neuer Composite Propeller entwickelt, der die Lautstärke  von 87 dBA auf 78 dBA senkte. Das ist ein Drittel des bisherigen Werts, also erhöhter Lärmschutz. Sollte aus welchen Gründen auch immer die Maschine notlanden müssen mit einem erheblichen Schaden, haben wir ein ELT an Bord, das zusätzlich mit einem GPS-Sender ausgestattet ist, um die Maschine und die Personen  umgehend orten zu können.  Dies Signal begrenzt die Suche auf wenige Meter genau. Wir hoffen, dass dieser Fall nie eintreten wird; wenn er aber eintreten sollte, haben wir dafür in unserem Sicherheitskonzept das maximal Mögliche getan, um die Maschine und die Besatzung schnellstmöglich zu finden.
 


Sicherheitskonzept  Piloten:
 
Die Piloten werden intensiv in die Maschine eingewiesen. Unser erfahrenster Pilot hat eine Bedienungs- und Fluganweisung für unsere Cessna erarbeitet.
 
Dies ist das Konzept der Einweisung die den neuen Piloten vorgestellt wird.
 
Bei den ersten Absetzflügen begleitet ein erfahrener Piloten als Safety Pilot den neuen Piloten, da er sicher nicht gewohnt ist, dass sich Passagiere (in diesem Fall Fallschirmspringer) außen am Flugzeug festhalten und die Flugeigenschaften der Maschine  beeinflussen. Weiterhin wird dem Piloten gezeigt, wie sich die Maschine in den unterschiedlichen Beladungszuständen verhält (voll hoch, leer runter).
Kein Pilot fliegt die Maschine ohne dass erfahrene Piloten intensive Einweisungsflüge durchgeführt haben.
Bei den ersten Absetzflüge begleitet ein erfahrener Piloten als Safety Pilot den neuen PIloten, da es ungewöhnlich ist, dass sich Passagiere in diesem Fall Fallschirmspringer außen am Flugzeug festhalten und die Flugeigenschaften der Maschine  beeinflussen. Weiterhin wird dem Piloten gezeigt, wie sich die Maschine in den unterschiedlichen Beladungszuständen verhält (voll hoch, leer runter).
Kein Pilot fliegt die Maschine ohne das erfahrene Piloten erst intensive Einweisungsflüge durchgeführt haben.

All diese Maßnahmen bringen uns die gewünschte Sicherheit, die wir im Flugsport brauchen. Unser Flugplatz ist Lachen-Speyerdorf EDRL

Thomas Dietrich, Vorsitzender Fallschirmsportclub Neustadt an der Weinstraße